Beste Nachunternehmermanagement Software: Vergleich und Kriterien
Christopher Sura · · 8min
Wer Nachunternehmer auf der Baustelle beschäftigt, muss deren Unterlagen prüfen: Freistellungsbescheinigung, Unbedenklichkeitsbescheinigungen, A1, Mindestlohnerklärungen. Dieser Beitrag ordnet den Markt für Nachunternehmermanagement Software in vier Kategorien, nennt die Kriterien, die bei der Auswahl zählen, und zeigt, für welche Unternehmensgröße welche Lösung passt.
Was Nachunternehmermanagement Software leistet
Unter Nachunternehmermanagement Software, auch Subunternehmerverwaltung oder Bescheinigungsmanagement genannt, versteht man Software, mit der Generalunternehmer, Baulogistiker und Bauherren die Nachweise ihrer Nachunternehmer einholen, prüfen, freigeben und über die gesamte Bauzeit aktuell halten. Der Hintergrund ist die Generalunternehmerhaftung: Der Auftraggeber haftet für Mindestlohn, Sozialabgaben und Beiträge zur SOKA-BAU seiner Nachunternehmer wie ein selbstschuldnerischer Bürge. Bei einer Prüfung durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls muss er belegen, wer wann mit welchen gültigen Unterlagen auf der Baustelle war.
Ohne Software läuft das über Excel-Listen, E-Mail-Anhänge und Ordner im Baubüro. Die Software ersetzt diese drei Dinge: Sie fordert Unterlagen an, überwacht Ablaufdaten und dokumentiert Freigaben so, dass sie im Prüfungsfall abrufbar sind.
Vier Software-Kategorien
Der Begriff Nachunternehmermanagement wird für sehr unterschiedliche Werkzeuge verwendet. Wer vergleicht, sollte zuerst die Kategorie klären.
1. Ausschreibungs- und Vergabeplattformen
Diese Plattformen decken den Weg von der Ausschreibung bis zum Zuschlag ab. Nachunternehmer-Unterlagen werden bei der Präqualifikation eingesammelt, die laufende Überwachung während der Bauzeit ist meist nur ein Zusatzmodul. Passend für Unternehmen mit eigener Kalkulations- und Einkaufsabteilung, die vor allem den Vergabeprozess digitalisieren wollen.
2. Bau-ERP und Projektmanagement-Suiten mit Nachunternehmer-Modul
Große Suiten bilden Kalkulation, Abrechnung und Nachunternehmerverträge in einem System ab. Das Nachunternehmer-Modul ist tief in die Abrechnung integriert, die Einführung dauert aber Monate, und die Dokumentenprüfung ist selten der am besten gepflegte Teil. Sinnvoll, wenn die Suite ohnehin eingeführt wird.
3. Spezialisierte Compliance-Portale
Reine Bescheinigungsportale konzentrieren sich auf eine Aufgabe: Unterlagen anfordern, Fristen überwachen, Berichte exportieren. Sie sind schnell eingerichtet und günstig, enden aber am Büroschreibtisch. Ob die Person, deren Unterlagen fehlen, tatsächlich auf der Baustelle steht, sieht das Portal nicht.
4. Baustellenplattformen mit Zutrittskontrolle
Diese Kategorie verbindet die Dokumentenprüfung mit dem physischen Zutritt: Der Dokumentenstatus entscheidet, ob das Drehkreuz öffnet. Dazu kommen meist Anwesenheitslisten, Baustellenausweise und Baulogistik. Passend für Generalunternehmer und Baulogistiker mit vielen Nachunternehmern je Baustelle, bei denen die Zutrittskontrolle im Leistungsverzeichnis steht. Bausicht gehört in diese Kategorie.
14 Kriterien für den Vergleich
Diese Punkte sollte eine Software für Nachunternehmer Bescheinigungen abdecken. Die Reihenfolge entspricht der Häufigkeit, mit der sie in unseren Kundengesprächen angesprochen werden. Kriterium 1 bis 6 betreffen Unterlagen, Prüfung und Freigabe, Kriterium 7 bis 9 die Verbindung zur Baustelle, Kriterium 10 bis 14 Betrieb und Technik.
1. Dokumenttypen für die üblichen Nachweise
Die Software muss die in Deutschland üblichen Nachweise als eigene Dokumenttypen führen, mit Gültigkeitsdauer und Zuständigkeit je Firma oder Person:
- Freistellungsbescheinigung des Finanzamts nach § 48b EStG
- Qualifizierte Unbedenklichkeitsbescheinigungen von SOKA-BAU, Berufsgenossenschaft und Krankenkasse
- A1-Bescheinigung und Meldung nach § 18 AEntG für entsandte Mitarbeitende
- Monatliche Mindestlohnerklärungen
- Gewerbeanmeldung, Handwerkskarte, Betriebshaftpflicht
- Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bei Mitarbeitenden aus Nicht-EU-Staaten
- Qualifikationsnachweise wie Staplerschein, Ersthelfer oder Sicherheitsunterweisung
Welche Unterlagen im Einzelfall nötig sind, steht in unserem Beitrag Welche Bescheinigungen benötigen Generalunternehmen von Nachunternehmen?
2. Ampelsystem und Ablaufüberwachung
Der Status jeder Bescheinigung muss auf einen Blick erkennbar sein: vollständig, bald ablaufend, fehlend. Läuft ein Dokument ab, erinnert die Software den Nachunternehmer automatisch, ohne dass jemand im Büro hinterhertelefoniert.
3. Regeln je Firma, Gewerk und Nationalität
Nicht jeder Nachunternehmer muss dieselben Unterlagen vorlegen. Ein Einzelunternehmer braucht keine Unbedenklichkeitsbescheinigung der Krankenkasse, ein entsandter Mitarbeitender braucht die A1. Die Software sollte diese Regeln einmal festhalten und danach automatisch anwenden.
4. Selbstverwaltung durch die Nachunternehmer
Der größte Zeitgewinn entsteht, wenn Nachunternehmer ihre Firma und ihre Mitarbeitenden selbst anlegen und Unterlagen selbst hochladen. Voraussetzung: Die Oberfläche ist so einfach, dass sie ohne Schulung funktioniert, und die Nutzung ist für Nachunternehmer kostenlos. Für Firmen, die nicht mitmachen, braucht es eine Fremdverwaltung.
5. Nachunternehmerkette
Der Nachunternehmer bringt einen eigenen Subunternehmer mit, der wiederum Personal stellt. Die Software muss diese Firmenhierarchie abbilden, damit der Dokumentenstatus jeder Ebene sichtbar bleibt und die Haftungskette nachvollziehbar ist.
6. Digitale Unterschrift
Mindestlohnerklärungen müssen regelmäßig unterschrieben werden, oft von Mitarbeitenden ohne Deutschkenntnisse. Eine digitale Unterschrift auf Tablet oder Smartphone mit Vorlagen in der Muttersprache spart das Einsammeln von Papier. Zum Vergleich: Bausicht hält die Mindestlohnerklärung in 26 Sprachen vor.
7. Kopplung mit der Zutrittskontrolle
Eine Freigabe im Büro nützt wenig, wenn die Person trotzdem auf die Baustelle kommt. Bei einer gekoppelten Zutrittskontrolle öffnet das Drehkreuz nur, wenn alle Unterlagen gültig sind. Das ist der Unterschied zwischen Dokumentation und Kontrolle.
8. Baustellenübergreifende Verwaltung
Ein Nachunternehmer arbeitet auf mehreren Baustellen desselben Auftraggebers. Seine Unterlagen sollten einmal hochgeladen und auf alle Projekte übertragen werden, mit einem Login für alle Baustellen.
9. Zollbericht auf Knopfdruck
Bei einer Prüfung durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit müssen Anwesenheiten, Stammdaten und Nachweise für einen Zeitraum zusammengestellt werden. Die Software sollte diesen Bericht als Datei ausgeben, ohne dass Daten aus mehreren Systemen zusammengetragen werden.
10. Rollen und Rechte
Pforte, Bauleitung, Compliance-Abteilung und Nachunternehmer brauchen unterschiedliche Sichten. Die Software muss Rollen je Baustelle und je Unternehmen abbilden.
11. Schnittstellen
Eine offene Schnittstelle erlaubt es, Firmen- und Personendaten aus dem ERP zu übernehmen oder Anwesenheiten an die Lohnabrechnung zu übergeben. Ohne Schnittstelle entsteht doppelte Datenpflege.
12. Mehrsprachigkeit
Auf deutschen Baustellen arbeiten Mitarbeitende aus vielen Ländern. Die Oberfläche für Nachunternehmer und die Dokumentvorlagen sollten in den gängigen Sprachen vorliegen.
13. Datenschutz und Löschkonzept
Ausweiskopien und Sozialversicherungsnachweise sind personenbezogene Daten. Wichtig sind Serverstandort in Deutschland, ein Löschkonzept nach Projektende und Aufbewahrungsfristen, die sich je Dokumenttyp einstellen lassen. Mehr dazu im Beitrag zum Datenschutz bei der Zugangskontrolle.
14. Einführungsdauer und Preismodell
Zwischen fünf Minuten für ein Portal und mehreren Monaten für eine ERP-Suite liegt alles. Für eine laufende Baustelle zählt, wie schnell Nachunternehmer eingeladen sind und die erste Prüfung läuft. Beim Preis sind drei Modelle üblich: pro Baustelle und Monat, pro Nutzer oder Lizenz plus Einführungsprojekt. Entscheidend ist, dass Nachunternehmer kostenlos mitarbeiten können. Sobald sie zahlen sollen, sinkt die Beteiligung.
Entscheidungshilfe nach Unternehmensgröße
Bis etwa zehn Nachunternehmer, einzelne Projekte: Eine gepflegte Excel-Liste mit Ablaufdaten kann genügen, wenn eine Person sie konsequent führt. Unsere Checkliste der Nachunternehmer-Bescheinigungen hilft beim Aufbau.
Zwanzig bis über hundert Nachunternehmer je Baustelle, mehrere Projekte parallel: Hier entsteht der Aufwand durch das Hinterhertelefonieren und das Zusammentragen bei Prüfungen. Eine spezialisierte Lösung mit Ampelsystem und Selbstverwaltung amortisiert sich schnell. Steht die Zutrittskontrolle im Leistungsverzeichnis, ist eine Baustellenplattform mit gekoppeltem Drehkreuz die naheliegende Wahl.
Nachunternehmermanagement mit Bausicht
Bausicht ist eine Baustellenplattform aus Münster, die Nachunternehmer Bescheinigungen, Zutrittskontrolle und Baulogistik in einem System mit einem Login bündelt. Die Module sind einzeln buchbar und werden pro Baustelle und Monat abgerechnet, Nachunternehmer und deren Mitarbeitende nutzen das System kostenlos.

Das Ampelsystem zeigt je Person und Firma, ob die Bescheinigungen vollständig, bald ablaufend oder fehlend sind
Für die Dokumentenprüfung heißt das konkret:
- Das Ampelsystem zeigt je Firma und Person, welche Bescheinigungen vollständig, bald ablaufend oder fehlend sind. Bei Ablauf gehen automatische E-Mails an die Nachunternehmer.
- Sie legen einmal fest, welche Unterlagen welcher Nachunternehmer je nach Gewerk oder Nationalität vorlegen muss.
- Nachunternehmer registrieren sich per Einladungslink, legen ihre Mitarbeitenden selbst an und laden Unterlagen selbst hoch. Die Firmenhierarchie bildet auch deren Subunternehmer ab.
- Mindestlohnerklärungen liegen in 26 Sprachen vor und werden rechtssicher auf Tablet oder Smartphone unterschrieben.
- In Kombination mit der Zutrittskontrolle öffnet das Drehkreuz nur für Personen mit gültigen Unterlagen.
- Der Zollbericht mit allen Stammdaten und Dokumenten für einen Zeitraum steht per Klick bereit. Der Bausicht KI-Assistent beantwortet Fragen zum Dokumentenstatus direkt aus den Baustellendaten.
- Einmal hochgeladene Unterlagen gelten baustellenübergreifend, eine offene Schnittstelle bindet ERP- und HR-Systeme an. Die Server stehen in Deutschland.
Der Baulogistiker ProSite betreut mit Bausicht nach eigenen Angaben 50 Prozent mehr Baustellen mit gleichem Personal, die Rückfragen der Nachunternehmer gingen um 40 Prozent zurück. Details stehen in unseren Referenzprojekten. Die Preise je Modul finden Sie auf der Preise-Seite, testen können Sie Bausicht 14 Tage kostenlos.
Häufige Fragen
Welche Software für Bescheinigungsmanagement auf Baustellen ist die beste?
Das hängt von der Kategorie ab, die zu Ihrem Unternehmen passt. Für die reine Ablage reicht ein Compliance-Portal. Sobald viele Nachunternehmer je Baustelle arbeiten und der Zutritt vom Dokumentenstatus abhängen soll, braucht es eine Baustellenplattform mit gekoppelter Zutrittskontrolle. Prüfen Sie die 14 Kriterien oben gegen Ihre Anforderungen, statt nur Funktionslisten zu vergleichen.
Was unterscheidet Nachunternehmermanagement von Dokumentenmanagement?
Ein Dokumentenmanagementsystem speichert Dateien. Nachunternehmermanagement kennt die Bedeutung der Dateien: Es weiß, dass eine Freistellungsbescheinigung ein Ablaufdatum hat, welche Firma sie vorlegen muss und was passiert, wenn sie fehlt.
Muss ich die Unterlagen weiterhin selbst prüfen?
Ja. Die Software erkennt fehlende und abgelaufene Dokumente und fordert sie an. Die inhaltliche Freigabe trifft ein Mitarbeitender Ihres Unternehmens per Klick. Diese Freigabe wird mit Zeitstempel dokumentiert.
Was kostet Nachunternehmermanagement Software?
Die Spanne reicht von einem zweistelligen Monatsbetrag für ein Portal bis zu Lizenz- und Einführungskosten im fünfstelligen Bereich für ERP-Suiten. Bausicht rechnet pro Baustelle und Monat ab, die aktuellen Preise stehen auf der Preise-Seite.
Machen die Nachunternehmer mit?
Erfahrungsgemäß ja, wenn die Nutzung kostenlos ist, die Oberfläche ohne Schulung verständlich ist und der Zutritt zur Baustelle an vollständige Unterlagen geknüpft ist. Ohne diese Kopplung bleibt das Hinterhertelefonieren.
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